Unsere Auswahlkommission hat
entschieden, Sie in die Förderung der Studienstiftung aufzunehmen. Bis ich dieses
ersehnte Schreiben endlich in den Händen hielt, war es ein langer, steiniger Weg.
Die Studienstiftung des deutschen Volkes ist die einzige Stiftung, die nicht an
konfessionelle oder politische Überzeugungen gebunden ist. Sie fördert somit Studenten
aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur, wobei auf die Eigenschaften Weltoffenheit,
Verantwortung, Nachdenklichkeit, Toleranz, Ideen, Bereitschaft zur Mitge- staltung,
Vertrauen,
und natürlich das Ernstnehmen des Studiums
besonders Wert
gelegt wird. So werden jährlich 6500 Vorschläge eingereicht, von denen zuletzt nur 2000
Stipendiaten gefördert werden. In Gesamtdeutschland beträgt die Stipendiatenanzahl an
Hochschulen ca. 6000 pro Jahr.
Am Anfang jedes Auswahlverfahrens steht der Vorschlag eines Lehrers oder Professors, ohne
den der Einstieg in das Auswahlverfahren nicht möglich gewesen wäre. Aufgrund sehr guter
Leistung im Gym- nasium und Engagements für die Schule und in außerschulischen Bereichen
wurde ich von meiner Tutorin Frau Fügert empfohlen. Kurze Zeit nach der Einsendung des
Vorschlags bekam ich ein Schreiben, in dem ich aufgefordert wurde, vor Beginn des Studiums
einen Bewerbungsbogen sowie einen umfangreichen, ausführlichen Lebenslauf mit der
Bewertung von wichtigen Erlebnissen während meines bisherigen Lebens einzusenden.
Nach dem Studienbeginn wurde ich zu einem Stipendiatenauswahlseminar in Sayda eingeladen.
Dort traf man nun auf engagierte und leistungsfähige Studienanfänger, die ebenfalls
schon eine lange Auswahl- phase hinter sich hatten. Dieses Wochenende war die letzte
Bewährungsprobe. In einer für 60 ausgewählte Stipendiaten gebuchten Jugendherberge
wurden in Einzelgesprächen und Gruppendiskussionen die letzten Eindrücke gesammelt, denn
nur 20 von uns konnten angenommen werden.
Auch außerhalb des Pflichtprogramms gab es anregende
Gespräche, somit war das Wochenende ein Gewinn, egal ob man das Stipendium letztendlich
bekam oder nicht.
Wie schon erwähnt, bestand die Beurteilung aus zwei Teilen:
Gruppendiskussionen und zwei Einzelge- spräche. In Gruppen von sechs Studenten
unterschiedlicher Fachrichtungen hielt jeder von uns ein Kurzreferat (10 min), das danach
20 min diskutiert wurde. Ein Seminarleiter beobachtete und evaluierte das Geschehen.
Das gesellschaftliche oder wissenschaftliche Thema sollte möglichst
nicht zu fachspezifisch sein, jeder sollte sich an der Diskussion beteiligen können. Ich
hielt das letzte Referat in der Runde. Mit dem Thema Sind optimistische Illusionen
gut für die Gesundheit einer Person (einer Gesellschaft)? sprach ich ein
psychologisches, sehr polarisierendes Problem an, was eine lebhafte Diskussion entfachte.
In den zwei Einzelgesprächen zu je 45 min wurden speziell die eigene Bewertung des
ausführlichen Lebenslaufes sowie Hobbys und Interessengebiete hinterfragt. Ebenso spielte
die Einschätzung der eigenen Persön- lichkeit und die Bewertung positiver und negativer
Charakterzüge eine Gesprächsrolle. Die letztendliche Auswahl erfolgte dann ohne unser
Beisein am Sonntagabend, niemand von uns hatte eine vorzeitige Bewertung, was man richtig
oder falsch gemacht hat, bekommen.
Nach einer Woche bekam ich dann schon verfrüht die Antwort. Ich war natürlich
happy, nach dem interessanten, aber doch anstrengenden Wochenende (man redet
immer nur über sich!), nun endlich dabei zu sein. Was letztendlich den Ausschlag dafür
gegeben hat, dass ausgerechnet ich gefördert werden soll, blieb auch weiterhin im
Dunkeln.
Trotzdem blieb der Beigeschmack, dass ich dort sehr gute, begabte und
befähigte Mitbewerber getroffen hatte, die es ebenfalls verdient hätten, aber kein
Stipendium bekommen haben.
Nun stellt sich noch die Frage, welche Leistung die Studienstiftung erbringt? Als einer
von rund 6000 Stipendiaten an Hochschulen bietet man mir neben der finanziellen
Unterstützung (Taschengeld + Büchergeld), auch Beratung, Finanzierung eines
Auslandsstudiums und die Teilnahme an Sommeraka- demien an. Dies alles bietet die
Möglichkeit für einen interdisziplinären Interessenaustausch, eines der Grundanliegen
der Studienstiftung. Weitere Informationen dazu kann man auch unter http://www.studien- stiftung.de
nachschlagen.
Zuletzt möchte ich mich noch einmal bei den unterstützenden Lehrern, meinen Freunden und
der Familie recht herzlich bedanken, ohne die dies alles nicht möglich gewesen wäre.
Uwe Gottschald
Dresden, den 27.12.2006 |